DRINNEN/DRAUSSEN
Eine Fenstertheater-Performance
Eine überraschende Mischung aus Texten, Szenen, Schattenspielen, Soundcollagen, Projektionen vor und hinter den Fenstern und auf der Fassade der Martinstorschule; Autoren: Karl Valentin, William Shakespeare, Franz Kafka u. a.
mit Verena Becher, Fabian Bodenmiller, Reinhard Böhm, Hajo Fickus, Benjamin Geyer, Tina Hirsch, David Jäck, Tilman Schauwecker, Monika Schüler, Verena Wielath und der Freiwilligen Feuerwehr Wangen im Allgäu
Freitag, 6. August 2004, 22.00 Uhr und 23.00 Uhr
an der Martinstorschule Wangen
im Rahmen der 2. Wangener Kulturnacht |  |
Unsere Fenstertheater-Performance am Freitagabend krönte eine anstrengende Vorbereitungswoche mit einem vollen Erfolg. Nicht nur die 150 aufgestellten Stühle waren zu den beiden Vorstellungen allesamt besetzt, dahinter drängten sich auch noch einmal fast genau so viele Zuschauer auf den Stehplätzen, die unserer Vorstellung, vor allem dem überraschenden Einsatz der Wangener Feuerwehr, begeistert applaudierten.

Die Schwäbische Zeitung über die Kulturnacht:
Kultur für fast jeden Geschmack
Künstlerische Höhepunkte der Kulturnacht waren die von der Theatergruppe Kiesel inszenierte Fenstertheater-Performance und Johannes Schön mit seiner szenischen Lesung aus Thomas Manns "Felix Krull". Im Atelier "eNSO" gab es herzhafte Installationen zum Thema "Mehr oder weniger Liebe", die Galerie No. 6 hatte vor dem Gästeamt "Bildstöckle" platziert.
Filmische Delikatessen bot die Freie Volkshochschule Argental in Form von vier Kurzfilmen auf Video - "The Love Nest" von 1929 von und mit Buster Keaton, der sich liebeskrank seinen Alpträumen hingibt, gefolgt von Eskapaden mit Stan Laurel und Oliver Hardy, Weihnachtsbäume im Sommer verkaufend, Charlie Chaplin in "A Dog´s Life" (1918) und 1961 Roman Polanski in "Le Gros und le Maigre".
Anhaltendes Interesse zogen die vier "Bildstöckle" als bildhauerische wie installative Werke der Künstler Bernd Volk und Uli Scheitenberger auf sich. In Anspielung auf traditionelle Reliquienschreine zeichneten sich diese Kreationen durch Sammelsurien applizierter Puppen und Plüschtiere, ausrangierter Knieprothesen und Kopf im Einmachglas aus. Angesiedelt zwischen ironischer Tabubrechung und neuartigen Betrachtungsweisen hätte an diesem Ort zusätzlich eine Performance stattfinden sollen, die leider ausfallen musste.
Im Spitalhof lieferte Johannes Schön in der Rolle des Hochstaplers Felix Krull über dessen "Untersuchung auf Diensttauglichkeit" einen bühnenreifen Auftritt. Der zwischen 1911 und 1954 von Thomas Mann geschriebene Schelmenroman als Parodie auf das klassische Bildungsbürgertum verfehlte seine Wirkung nicht. Insbesondere im zweiten Part gewann Schön an Schwung und Ausdruckskraft, die sich über den philosophierenden Charakter des Romans hinaus zu einem furiosen darstellerischen Akt erhob.
Eine Station weiter im Hof der Martinstorschule sorgte die Fenstertheater-Performance der Kiesel-Gruppe zusammen mit Mitgliedern von MUGNOG für Aufsehen. Aufwendig hat sich diese Aktion aus Spiel, Dialogen, Musik und großräumigen Lichteffekten von der Idee bis zur Umsetzung gestaltet - herausgekommen ist ein Bravourstück, das das alltägliche Menschsein "Drinnen" und "Draussen" persifliert.
Rundum Herz und Liebe
In einer geradezu meditativen Atmosphäre präsentierte sich das Atelier "eNSO" mit den Künstlerinnen Norma Sperlich-Osterkorn, Hanne Sperlich-Schlosser und Dorothee Hochstetter. Rund ums Herz und um die Liebe waren Installationen aus unterschiedlichsten Materialien zu sehen, die vom ruhelosen Liebesschmerz, von "Sentimentalen Sehnsuchtsfluchten" in Gestalt eines Märchenprinzenmantels und "Kleidern der Liebe" erzählten. Letztere Verwandlungsprozesse beinhaltend, bei denen Kohleverbranntes neben blutrotem Leben und beigefarben Geläutertem steht. In einem Liveact ließen die Künstlerinnen der "Linie" als Vermittlerin zwischen Musik und Kunst auf dem Papier ihren Lauf, klanglich animiert von Musikern des Jazz Point.
Volle Häuser, volle Plätze
Wenn Indizien zeigen können, dass auch die zweite Wangener Kulturnacht am Freitag ein Erfolg war, dann vielleicht diese: Veranstaltungen, die im Saale stattfanden, quollen über vor Menschen. Und 600 Nudelportionen der Prateser Gäste waren um 22 Uhr verputzt. Zu den populären Highlights des Abends gehörte das Baden, mit dem Mitglieder des Altstadt- und Museumsvereins der Badstube Leben einhauchten. Schwitzen durften dort die Zuschauer, die sich in dichten Reihen drängten. Ebenfalls sehr populär: Bei "Born to be wild" und anderen Oldies gerieten Vierziger und Fünfziger im Zunftwinkel nach Mitternacht aus dem Häuschen.Veranstalter und Stadt zeigten sich nach den Worten von OB Michael Lang sehr zufrieden über den Verlauf der Kulturnacht.
Bei dem Theater "Drinnen und Draussen" kam sogar die neue Drehleiter der Feuerwehr zum Einsatz.