Jekyll und Hyde
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Zu ihrem 25. Jubiläum spielt die
THEATERGRUPPE KIESEL JEKYLL UND HYDE 
von Robert Woelfl
nach Robert Louis Stevenson
Kornhaus Wangen
Samstag, 01. November 2008
Sonntag, 02. November 2008
Samstag, 08. November 2008
Sonntag, 09. November 2008
Beginn jeweils 20.00 Uhr
Eintritt: 9,00 €
(Schüler, Studenten: 6,00 €)
ONLINE-KARTENRESERVIERUNG
mit den Ur-Kieseln Hajo Fickus
als JEKYLL und als HYDE
Tilman Schauwecker
als UTTERSON
Monika Schüler
als IVY
Die Novelle "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde" des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson (1850–1894) erschien 1886. Die Geschichte des ehrenwerten und angesehenen Dr. Jekyll, der sich mit Hilfe einer Droge in den brutalen Mr. Hyde verwandelt, in dessen Gestalt er seinen dunklen Trieben freien Lauf lassen kann, erschuf einen der Archetypen der modernen Horror-Literatur. Die Erzählung ist mit weit über 100 filmischen Adaptionen die meistverfilmte Geschichte der Welt, weiterhin gibt es zahlreiche Romanbearbeitungen, mehrere Theaterstücke und ein Musical gleichen Namens.
Robert Woelfl, 1965 in Villach geboren, lebt als freier Schriftsteller in Wien. Seine Arbeiten umfassen Theaterstücke, Hörstücke und Videoessays. Im November 2000 erhielt er für sein Stück "Dem Herz die Arbeit, den Händen die Liebe" den Reinhold-Lenz-Preis für neue Dramatik. Für das Stück "Kommunikation der Schweine" erhielt er beim Heidelberger Stückemarkt 2001 den Autorenpreis der deutschsprachigen Theaterverlage.
Kritik der Schwäbischen Zeitung (06. 11. 2008)
von Vera StillerSchauspiel macht menschliche Abgründe sichtbar
WANGEN - Mit der Aufführung des Psycho-Thrillers "Jekyll und Hyde" feiert die Wangener Theatergruppe Kiesel derzeit ihr 25-jähriges Bestehen. Bei der Premiere in der Kornhausbücherei zeigten sich die Zuschauer von der schauspielerischen Leistung und der eigenwilligen Inszenierung begeistert.
Bizarre Klänge, spärliche Beleuchtung, hier und da das Aufleuchten einer Taschenlampe. Draußen vor dem Fenster huscht eine Gestalt im Nebel vorbei, die nahe Kirchturmuhr schlägt zur halben Stunde. Eine spannungsgeladene, eine beklemmende Atmosphäre macht sich im Publikum breit, die eine oder andere Gänsehaut ist zu spüren.
Wer sich im Vorfeld Gedanken darüber gemacht hatte, wie ein solches Horror-Stück wie "Jekyll und Hyde" ausgerechnet zwischen Regalen voller Bücher seinen wirkungsvollen Platz finden kann, dem wurde nach nur wenigen Szenenbildern klar: Es geht fantastisch - dank der Technik von Markus Hochstrasser, insbesondere aber des Einfallsreichtums der Theaterleute, allen voran Hajo Fickus, Gründer und Leiter der Amateurgruppe und Regisseur des Robert-Woelfl-Stückes.
Der junge österreichische Autor und somit auch die "Kiesel" verzichten ganz bewusst auf die eigentliche Nacherzählung der Novelle von Robert Louis Stevenson. Schließlich ist die Geschichte vom Wissenschaftler Dr. Henry Jekyll, der im Selbstexperiment das Böse aus seiner Seele herausseziert, sich nächtens in Mr. Edward Hyde verwandelt und auf den Londoner Straßen des 19. Jahrhunderts Frauen aufschlitzt, hinreichend bekannt.
Es geht vielmehr um das Sichtbarmachen menschlicher Abgründe, um das ständige Verschwimmen der Grenzen zwischen Gut und Böse. Es ist ein eineinhalbstündiger Todestanz, in dem Moral umso weniger vorhanden ist, je mehr sie eingefordert wird. Menschen treffen sich, ohne sich zu finden. Sie reden - aber immer aneinander vorbei. Das Zweifeln an der eigenen Identität liegt ständig in der Luft.
Herausragend agiert Hajo Fickus, wenn er sich innerhalb weniger Augenblicke vom Fliegenforscher Jekyll in den Verbrecher Hyde verwandelt. Beeindruckend ist sein Spiel, wenn er einmal dem verklemmten Menschen, der seine Leidenschaften unterdrückt, zum anderen dem Vergewaltiger, dem Monster Gestalt verleiht.
Monika Schüler steht ihm als Ivy in nichts nach. Sie verkörpert die schnippische, leicht hysterische Verlobte Jekylls, die sich zunehmend von der Vitalität des Bösen verführt sieht. Obwohl brutal vergewaltigt, verliebt sie sich in das "alter ego" ihres Freundes und wird immer mehr zur auftrumpfenden Femme fatale. Hyde bringt sie nicht um, vielmehr ritzt er mit seinen Fingernägeln Zeichnungen auf ihren Körper. "Alles gibt es nur, damit es besser wird - auch wir werden eines Tages besser sein", verspricht ihr Hyde.
Die Fassade bröckelt
Die Rolle des Polizisten Utterson scheint Tilman Schauwecker auf den Leib geschneidert zu sein. Glaubwürdig ist seine Wandlung vom gnadenlosen Jäger Hydes, dessen mühsam gestützte Fassade von Gesetz und Ordnung mehr und mehr bröckelt, sodass auch er schließlich zum Vergewaltiger und Mörder wird. Und wenn dann gegen Ende der Satz "Wir werden alle einander fremd" fällt, dann ist das nicht der Abschluss einer Entwicklung, sondern die Beschreibung des Dauerzustandes. Ein spannender Abend, der noch lange nachwirkt.